Das sollten Chemie Azubis wissen
Ende Juni 2024 wurde nach langen und intensiven Verhandlungen nun ein neues Ergebnis zwischen den Sozialpartnern erzielt. Die Änderungen im Chemie Tarifvertrag gelten ab September 2024. Neu verhandelt wurde
Im Oktober 2022 haben die Tarif-Parteien einen Abschluss erzielt. Das war angesichts des Ukrainekriegs und der Energiekrise kein leichter Abschluss. Aber nun ist die Einigung für den Chemie Tarifvertrag da und bietet Sicherheit & Planbarkeit für die Arbeitnehmer:innen und Auszubildenden in der Chemie-, Pharma- und Kunststoffindustrie.
Die Laufzeit des Tarifvertrages beträgt 20 Monate, inklusive der Brückenlösung vom April sogar 27 Monate.
Für die Chemie-Azubis gibt es fachliche Unterstützung:
Die Tarifverträge der Chemie regeln wesentliche Dinge zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber: das Gehalt, die Summe der Urlaubstage, Vorsorge-Regelungen und vieles mehr. Die Geltungsdauer (also wie lange ein Tarifvertag läuft) ist unterschiedlich.
Zum Beispiel gilt der Chemie-Tarifvertrag für das Entgelt nur für eine bestimmte Zeit (es gibt auch Tarifverträge, die länger laufen, aber andere Bereiche regeln). Nach Ablauf wird der Entgelt-Tarifvertrag neu verhandelt; und zwar (logisch...) in den Tarifverhandlungen.
In den Chemie-Tarifverhandlungen verhandeln der Arbeitgeberverband BAVC (stellvertretend für die Unternehmen) und die Gewerkschaft IGBCE (stellvertretend für die Arbeitnehmer).
IGBCE und BAVC werden auch als die Chemie-Sozialpartner bezeichnet. Die Chemie-Sozialpartnerschaft hat sich in den letzten 30 Jahren entwickelt. Die Sozialpartner denken, dass man durch Gespräche mehr erreicht, als mit reiner Konfrontation - auch, wenn man unterschiedliche Ansichten hat.
Die Tarif-Einigung gilt für 580.000 Beschäftigte und die 26.000 Chemie-Azubis in den 1.900 Betrieben der Chemie- und Pharmaindustrie.
Der Tarifvertrag für Azubis heißt übrigens „Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg“. Darin wird die Ausbildung ganzheitlich betrachtet, zum Beispiel umfasst sie das Förderprogramm für noch nicht ausbildungsreife Jugendliche (Start in den Beruf), Vereinbarungen zum (hohen) Ausbildungsplatzangebot, Grundsätze zur Übernahme sowie den Karrierewegweiser „Berufskompass Chemie“.
Der neue Chemie-Tarifvertrag regelt auch die besseren Bedingungen für Azubis. Sie bekommen eine Erhöhung in der Ausbildungsvergütung.
Dank des Chemie-Tarifvertrages steigen die Ausbildungsvergütungen genauso wie die Gehälter der ausgelernten Beschäftigen:
Übrigens: Das Angebot an Ausbildungsplätzen bei den Chemie-Ausbildern steigt. Hier findet ihr zu euch passende freie Azubi-Stellen:
www.elementare-vielfalt.de
Tarifvertrag Chemie: Entgelttabelle 2024 für die Ausbildung
1. Jahr: 1.073 Euro bis 1.125 Euro
2. Jahr: 1.142 Euro bis 1.229 Euro
3. Jahr: 1.194 Euro bis 1.299 Euro
4. Jahr: 1.243 Euro bis 1.389 Euro
Außerdem erhalten Auszubildende vor der Abschlussprüfung zwei Tage bezahlte Freistellung zur Prüfungsvorbereitung. Stichwort Prüfung: Nach der Abschlussprüfung werden 95 Prozentaller Azubis übernommen; drei von vier unbefristet (75%). Rechnet man die Übernahmen, die länger als 12 Monate gehen, dazu, kann man sagen: 84% der Azubis erhalten eine langfristige Bleibeperspektive nach ihrer Ausbildung. Und damit Sicherheit und Planbarkeit. (Diese Zahlen gelten für Rheinland-Pfalz. Sobald wir die Deutschland-Zahlen erhalten, machen wir ein Update. Die Zahlen sind aber sehr vergleichbar.)
Als eine der ersten Branchen in Deutschland hat die Chemie die Wahlqualifikation „Digitalisierung und vernetzte Produktion“ für den Ausbildungsberuf Chemikant (m/w/d) eingeführt. Seitdem haben bereits über 700 Chemikanten diese neue Wahlqualifikation genutzt. Auch im Bereich der gewerblich-technischen Berufe hat die Branche viel zu bieten. Schaut euch hier im Blog die Berufe an!
Auch für ausgelernte Facharbeiter gibt es Qualifizierungen. Schon im letzten Tarifvertrag vereinbarten die Chemie-Sozialpartner die „Roadmap Arbeit 4.0“. Ziel: die Beschäftigten auf den digitalen Wandel vorbereiten – das wurde nun umgesetzt. Mithilfe einer KI-basierten Lösung wird eine umfangreiche Trendanalyse zu den Kompetenzen der Zukunft in der Chemie durchgeführt ("Future Skills Report Chemie"). Daneben wird es ein Tool zur Qualifikationsanalyse im Unternehmen geben. Dazu gehört auch eine Weiterbildungsberatung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch die Bundesagentur für Arbeit.
Den Artikel zum Thema Tarifvertrag in der Chemie aktualisieren wir immer, wenn es einen neuen Tarifabschluss gibt. Die erste Version erschien im Juni 2016. Die letzte Änderung war im Juli 2024.